10 Fragen, die du Erotiktexter:innen schon immer stellen wolltest

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Mythos Erotiktexter:in

Was du schon immer wissen wolltest …

Du kennst das ja sicher: Egal, ob bei einem lustigen Abend mit (neuen) Freunden oder dem heißen Date im Club, ja selbst zu Omas Geburtstag kommt irgendwann die Frage, was du beruflich eigentlich so machst. Bei uns ruft die Antwort immer eine ganze Menge Reaktionen hervor und ist der perfekte Eisbrecher und Gesprächseinstieg: “Ich bin Erotik-Texterin.” Von Belustigung und einem dicken Grinsen (gefolgt von einem Fragen-Sturm), interessiertem Kopfnicken, nochmaligem Nachfragen, um sicher zu gehen, dass man sich nicht verhört hat über Erstaunen, Stirnrunzeln, Neugier bis hin zu peinlicher Berührung (ja, das gibt es bei diesem Thema tatsächlich noch!) ist alles dabei. Kleiner Spoiler: Ja, es geht um Sex!
Wir haben die 10 beliebtesten Fragen aus unserem Umfeld aufgegriffen und stehen euch jetzt Rede und Antwort.

Wir beginnen mit der absoluten Lieblingsfrage:

1. Testet ihr DAS alles selbst?

Vivien: Okay, die Frage ist ein echter Klassiker und irgendjemand stellt sie IMMER, wenn ich von meinem Job erzähle. Die Frage impliziert, dass ich ausschließlich Sextoys beschreibe oder Dinge, die ausprobiert werden können. So ist das natürlich nicht. Und nein, ich kann gar nicht alles selbst testen (so gerne ich das möchte 😉). Es gibt aber effiziente Mittel und Wege, um an alle wichtigen Informationen zu kommen.

Franzi: Na logo! Probieren geht schließlich über Studieren. 😉 Nein, Spaß beiseite. Dann würde ich ja gar nicht mehr zum Schreiben kommen. Davon abgesehen texten wir nicht nur über Sextoys, sondern unser Repertoire ist viel viel größer. Angefangen bei Themen rund um Erotik bis hin zu Achtsamkeit, Feminismus, Body Positivity und sexueller sowie mentaler Gesundheit ist eigentlich alles dabei, was irgendwie in den großen Bereich (Selbst)Liebe und Sexualität gehört.

2. Schreibt ihr auch Porno-Dialoge?

Vivien: Gegenfrage: Mainstream-Pornos haben Dialoge? 😉 Gespräche in Pornos sind eher Freestyle und situativ. Aber ich würde tatsächlich gern mal welche schreiben.

Franzi: Oh, das wäre mein absoluter Traum! Meine kreative Spielwiese schlechthin. Noch besser wären Porno-Titel. Also: Falls das hier ein:e Regisseur:in oder Produzent:in liest - melde dich! Ich bin deine Frau für eindeutige Zweideutigkeiten, haha!

3. Findet ihr alles geil, was ihr beschreibt?

Vivien: Definitiv nicht! Wichtig bei meiner Arbeit ist, dass ich mich in die Zielgruppe - unsere Kund:innen - hineinversetzen kann und respektvoll mit allen Themen umgehe. Jeder Mensch ist anders, jeder hat andere Vorlieben, Kinks und Ansichten. Und dieser Einzigartigkeit begegne ich mit ganz viel Herz und Achtsamkeit. Natürlich machen die Themen besonders Spaß, die mich auch persönlich ansprechen.

Franzi: Nein und das muss ich auch gar nicht. Wichtig ist, offen zu sein und sich in andere Menschen hineinversetzen zu können. Sie nicht vorzuverurteilen auf Grund von Vorlieben, Fetischen und Bedürfnissen. Das braucht auf jeden Fall jede Menge Empathie. Nur, weil ich etwas selbst nicht erregend oder anziehend finde, heißt es nicht, dass ich nicht verstehen kann, wenn andere es tun. Und das ist die Kunst in diesem Job.

4. Hat man nach der Arbeit noch Bock auf Sex?

Vivien: Ja, soll passieren. Ab und zu nimmt man sich die Arbeit eben einfach mal mit ins Bett. 😉 Home Office 2.0 quasi.

Franzi: Gerade deshalb! Weil ich immer wieder neue spannende Dinge entdecke und erfahre, mich selbst oft hinterfrage und reflektiere. Mein Job macht wahnsinnigen Spaß und bringt immer wieder Anregungen für mich selbst und meine Partnerschaft.

5. Was unterscheidet Erotik-Texter:innen von "normalen" Texter:innen?

Vivien: Ich darf mich mit all den wundervollen Dingen beschäftigen, die sich um die schönste Nebensache der Welt drehen. Ich kann mit Missverständnissen und Klischees aufräumen. Ich beschäftige mich mit allen Arten von Liebe und lerne jeden Tag etwas: über mich und über andere. Das ist nicht nur spannend, sondern ein echtes Geschenk. Ich kann ein Teil des sexuellen Wandels sein, denn Worte prägen Gedanken und Taten. Ich kreiere mit meinen Worten eine achtsame Sicht auf die menschliche Vielfalt und auf die Sexualität. Das ist eine wundervolle Aufgabe.

Franzi: Bin ich eine „unnormale“ Texterin, nur weil ich über Sex schreibe? Das impliziert im Grunde ja wieder, dass Sex nicht gesellschaftsfähig und unnormal sei - und das ist genau der Punkt, mit dem wir aufräumen wollen. Uns unterscheiden im Prinzip nur die Themen von anderen Kolleg:innen. Und wir brauchen viel Einfühlungsvermögen, Empathie, Neugier und natürlich auch ein persönliches Interesse. Vielleicht auch mehr Offenheit und weniger Berührungsängste, weniger Scham, die aber meiner Meinung nach sowieso total unnötig ist. Verklemmt darf man auf jeden Fall nicht sein.

6. Wie kann man über Fetische und Fantasien schreiben, die man selber ablehnt oder gar ekelhaft findet?

Vivien: Ich glaube, wir sollten uns alle von dem Gedanken befreien, dass die Vorlieben anderer Menschen etwas "Ekliges" sind. Nur, weil etwas für einen persönlich nicht infrage kommt, ist es nicht gleich ekelhaft. Für den einen sind Sex-Spiele mit Fäkalien ein No-Go, für den anderen ist es hocherotisch. So what?! Ich akzeptiere jede Form von Sexualität und schaue, was dahintersteckt. Welche Art von Mensch hat diesen oder jenen Fetisch und was wünscht er sich? Darauf baue ich meine Texte auf.

Franzi: Prinzipiell gibt es wenige Dinge, die ich „ekelhaft“ finde. Sicher, es gibt Fetische und Spielarten, die finde ich etwas seltsam, kurios und eigentümlich. Aber ich sage immer: Solange es niemandem schadet und keiner zu etwas gezwungen wird, was er nicht will, hat alles seine Daseinsberechtigung. Die einen pinkeln sich an und mögen das warme Gefühl von „Natursekt“, die anderen lassen sich eben windeln, weil sie sich dadurch geborgen fühlen. Wie oben schon geschrieben, ist es in unserem Job besonders wichtig, sich in Menschen hineinversetzen zu können. Im Prinzip gibt es kein „normal“ oder „unnormal“, sondern nur das, was uns seit Jahrhunderten von der Gesellschaft aufdiktiert wird. Jeder Fetisch hat einen Hintergrund. Oft helfen Fetische Menschen über bestimmte Dinge hinweg, kompensieren und funktionieren als Ventil zum Alltag. Ich versuche immer, Menschen mit anderen Vorlieben Verständnis entgegenzubringen und mich hineinzufühlen.

7. Holt ihr euch bei bestimmten Spielzeugen/Fetischen einen Rat von anderen Leuten?

Vivien: Ja, das passiert schon ab und an. Gespräche mit Menschen über ihre sexuellen Wünsche und Erfahrungen finde ich sehr interessant und ich lerne jedes Mal ein bisschen dazu: ein neuer Blickwinkel, eine neue Facette, ein neuer Kink. Alles andere ist Erfahrung. ;-)

Franzi: Klar, wenn ich etwas nicht kenne, recherchiere ich und frage natürlich auch Leute in meinem Umfeld, von denen ich weiß, dass sie dieses und jenes selbst schon probiert haben. Ich lese Erfahrungsberichte, schaue mir Dokus an und versuche gerade bei Fetischen die Hintergründe zu beleuchten.

8. Hat die Arbeit als Erotik-Texter:in eure eigene Beziehung zur Erotik verändert?

Vivien: Ich bin achtsamer geworden. Ich stecke Menschen und Sexualität nicht in graue Schubladen. Heute ist Erotik für mich vielmehr das, was sie wirklich ist: die geheimnisvolle Anziehung zwischen Menschen. Ich liebe die bunten Facetten der Erotik, die Vielfältigkeit von Körpern und was Liebe alles leisten kann.

Franzi: Eigentlich nicht, denn in meiner Grundeinstellung war ich schon immer neugierig und sehr experimentierfreudig. Aber ich habe viele neue Dinge kennengelernt und bin diversen Themen gegenüber offener geworden. Ich lerne Dinge kennen, die ich in meine Beziehung einfließen lasse und natürlich mit meinem Partner ausprobieren will. Unser Job weckt definitiv Neugier und das Verlangen, Dinge selbst zu erleben.

9. Hat sich durch eure Arbeit der Blick bzw. die Einstellung zu Pornografie verändert?

Vivien: Meine Einstellung hat sich nicht verändert. Ich bin eine Freundin von guter Pornografie. Ich beschäftige mich allerdings mehr mit diesem Thema und LIEBE mittlerweile alternative Pornos. Ästhetik und Handlung (hahaha, ja! Handlung!) sind mir wichtig geworden. Allerdings analysiere ich Pornos auch mehr. Da geht oft echt die Stimmung flöten ;)

Franzi: Auf jeden Fall. Ich habe mir früher eher weniger Gedanken um die echten Menschen vor der Kamera gemacht. Heute betrachte ich Pornos schon recht stark mit einem feministischen Auge. Gleichermaßen weiß ich natürlich auch, dass in Pornos alles mehr Schein als Sein ist. Ich finde Pornografie keinesfalls verwerflich, ganz im Gegenteil. Sie kann sehr erotisch sein und auch in einer Beziehung zusammen Spaß machen. Aber ich merke aber sofort, wenn sich Protagonist:innen unwohl fühlen. Bei solchen Filmchen kann ich mich dann nicht entspannen. Ich lege Wert auf Ästhetik und Authentizität. Denn wir alle gucken doch Pornos eigentlich nur, weil wir kleine Voyeur:innen sind – deshalb muss sich ein Porno für mich möglichst echt anfühlen, so als wäre ich gerade live dabei und würde durchs Schlüsselloch spähen. 😉

10. Wie versucht ihr, euch in die Fantasien des anderen Geschlechtes hineinzuversetzen?

Vivien: Lucky one! Yeah! Ich habe zum einen eine plaudergierige Community und zum anderen eine Menge "männliche" sexuelle Denkmuster abbekommen. Und manchmal wünsche ich mir einfach einen Penis, weil ich mich nicht in ALLES hineinversetzen kann. Ich wünsche mir auch mal die Sicht eines Menschen, der sich zu keinem Geschlecht vollkommen zugehörig gefühlt.

Franzi: Oh, das fällt mir überhaupt nicht schwer. Ich würde nur zu gern mal für einen Tag ein Mann sein. Dann würde ich den ganzen Tag nur die Palme wedeln, im Stehen pinkeln und quasi alle Toys ausprobieren, die die Erotikwelt für Männer so zu bieten hat. Vor mir wäre kein Masturbator sicher, haha. Ich finde Männertoys extreeem spannend und wüsste wahnsinnig gern, wie es sich anfühlt – gerade, weil der männliche Orgasmus so anders sein soll als der weibliche. Und ich hätte auch gern mal eine Prostata, um zu spüren, wie sich diese Stimulation anfühlt. Da trauen sich viele Männer ja nicht ran. Kann ich gar nicht verstehen. Hey, ihr habt da einen echt coolen Lustpunkt, wo bleibt eure Neugier?! Gleichzeitig finde ich Frauen wahnsinnig schön und kann sehr gut nachvollziehen, warum Männer uns mögen. Aber ich mag natürlich auch Männer und kann nachempfinden, warum homosexuelle Männer das gleiche Geschlecht mögen. Ich kann einfach alle verstehen, versteht ihr! Denn Sex ist toll, Liebe ist toll, Erotik ist toll. Und ich rede natürlich auch gern über Sex und höre Männern nur allzu gern dabei zu, was sie so zu berichten haben. Da konnte ich über viele Jahre sehr sehr viele Informationen sammeln. 😉

Na, noch Fragen?
Wir hoffen, euch haben diese kleinen Einblicke interessiert. Wir haben die Fragen übrigens unabhängig voneinander beantwortet und nicht abgeschrieben, ehrlich! Umso spannender ist es, dass sich unsere Ansichten doch sehr ähneln, was sich in unseren Antworten widerspiegelt. Das zeigt: Wir passen einfach wie Arsch auf Eimer. 😉

Wenn euch noch etwas auf der Seele brennt, dann spuckt es aus und wir machen ein FAQ Teil 2!

Liebe Grüße

Franzi und Vivi – eure wortlüstigen Erotik-Texterinnen

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